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Nein, mit Nichten! Schluss damit. Das Vorurteil, die Wikinger-Reenactment-Szene sei mit Neonazis durchsetzt ist nicht nur ein Irrglaube, sondern eine Beleidigung für den Großteil der Hobby-Wikinger. Die Verwendung von Runen, nordischen Zeichen und Symbolen (wie z.B. die Sig-Rune oder die Swastika) assoziieren viele Menschen mit dem Nationalsozialismus. Dem liegt leider ein wahrer historischer Hintergrund zu Füßen.

Die Verklärung der Wikinger begann bereits im 12. Jahrhundert als die Dänische Chronik die vergangene Wikingerzeit als eine von glorreichen Herrschern geprägte Erfolgsstory proklamierte. Jean-Jacques Rousseau verklärte die Wikinger zu edle Wilde. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die Verklärung der Wikinger immer mehr zu und aus Skandinavien schwappte der Wikinger-Kult vor allem nach Deutschland über. Nach dem ersten Weltkrieg beriefen sich vor allem völkisch-nationale Kreise auf die nordischen Kerle. Wikinger und Germanen galten als „rassische Ahnen“ der Deutschen. Unmerklich ging naive Nordmänner-Verklärung in politische Instrumentalisierung über. So wurden vor allem nordische Symbole und Runen missbraucht. Ferner wurde die nordische Mythologie mit nationalsozialistischem Okkultismus vermischt und entfremdet. Was während des Nationalsozialismus weiterhin geschah, ist uns allen zu geläufig. Die Nazis missbrauchen die nordischen Seefahrer systematisch für ihre perfiden Ziele.

Auch heute wird den Menschen eine Verbindung zwischen Wikingern und Nationalsozialismus suggeriert. Rechtsextreme Organisationen wie die seit 1994 verbotene Wikinger-Jugend, sowie rechtsextreme Bands wie „Sleipnir“, „Allvater“ oder „Legion of Thor“ missbrauchen Namen, Runen, Ornamente und Symbole der Wikinger. Die Interpretation von Symbolen ist leider einer gewissen Genese unterworfen. Dabei hängt die Deutung von Symbolen stark vom kulturellen und historischen Kontext ab. Viele Zeichen, Symbole und Ornamente kommen aber aus unterschiedlichen Kulturkreisen und fanden in verschiedenen Epochen Verwendung.

Der Hitlergruß ist eigentlich ein militärischer Gruß der Römer – Saluto romano. Auch der nationalsozialistische Reichsadler ist dem der römischen Standarten entlehnt. Deswegen kommt ja auch keiner auf die Idee, Römer-Darsteller als Neonazis zu beschimpfen. Ferner kommt die Swastika (Hakenkreuz) in verschiedenen religiösen Kreisen vor – z.B. im Hinduismus. In der indischen Kultur und Religion sind Swastikasymbole seit etwa 5000 Jahren üblich. Auch in Japan sind seit dem Einfluss des Buddhismus Swastikasymbole auf Buddha-Statuen und Tempel zu finden. In der Flagge des Staatspräsidenten von Finnland ist auch heute noch eine Swastika zu finden. Der Interpretationsversuch von Symbolen, basierend auf einer einzigen Deutungsperspektive ist Grund weg falsch und führt unweigerlich zu verkehrten Schlüssen. Außerdem wird eine oberflächliche Betrachtung den Symbolen nicht gerecht. Das sie oftmals eine tief religiöse und/oder philosophische Bedeutung haben.

Die Wikingerszene in Deutschland ist bestrebt, eine allumfassende und möglichst authentische Darstellung der Wikingerzeit darzubieten. In diesem Zusammenhang ist auch die Verwendung „missbrauchter“ Symbole zu sehen. Auf vielen Internetseiten von Wikingergruppen und –sippen ist eine klare Distanzierung zu politischen und ideologischen Verbindungen zu finden. Ferner sind die Mitglieder der Wikinger-Reenactment-Szene ein grober Querschnitt unserer Gesellschaft. Vom Arbeitslosen bis zum Universitätsdozenten, vom Angestellten im öffentlichen Dienst bis zum Selbständigen tummelt sich fast alles in der deutschen Wikingerszene. Über soziale, politische, religiöse und sonstige Grenzen hinweg verbindet eben das gemeinsame Hobby die Menschen! Ärzte, Psychologen, Ingenieure, Arbeiter und Angestellte, Schulabbrecher und Studenten, Arbeitslose und Lebenskünstler, alle vereint das geschichtliche Interesse an den Wikingern.

Andere Vorurteile bezeichnen die Darsteller als Freaks, Zigeuner oder Ökos. Mag sein, dass dem einen das etwas spartanischere Leben, wie es auf Mittelaltermärkten dargestellt wird, mehr gefällt. Es ist nicht zu verneinen, dass sich  der ein oder andere Aussteiger aus der Gesellschaft unter die Wikinger-Szene gemischt hat. Wie jedoch schon zuvor angemerkt, bildet die Szene eben einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Daran ist auch nichts auszusetzen. Da der Rechtsextremismus in Deutschland ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist, macht er eben auch nicht vor der Mittelalter- und Wikingerszene halt. Vor diesem Hintergrund ist wohl ein differenziertes Bild der Wikingerszene in Deutschland geboten und jede Verallgemeinerung und „Verleumdung“ verbietet sich!

Herzlich willkommen auf meinem Blog. Das „Bloggen“ ist im letzten Jahrzehnt zu einem angesagten Zeitvertreib mutiert und erfreut sich bei vielen Menschen steigender Beliebtheit. Manche widmen sich der „großen“ und „weiten“ Welt; schreiben über politische Zusammenhänge und wirtschaftliche Entwicklungen. Andere berichten über ihre eigenen und oftmals auch ganz persönlichen Erfahrungen.

Ich möchte meinen Blog dazu nutzen, um über meine „Freizeitaktivitäten“ zu schreiben. Vielleicht kann ich somit die ein oder andere Anregung beisteuern und neue Perspektiven eröffnen. Ich bin gespannt auf die Resonanz, die dieser Blog vielleicht auslösen wird und freue mich über Kommentare!

Beste Grüße,
Paul aus Velten